Kostenloses Webinar:Reduzierter Antibiotikaeinsatz dank Komplementärmedizin 18.11.2026 | 17.00–19.00 Uhr


Online · kostenlos · für Medizinalpersonen

Antibiotikaresistenzen sind ein weltweites Problem und betreffen den Menschen, das Tier, die Landwirtschaft und die Umwelt. Vom 18. bis 24. November 2026 findet deshalb eine weitere World AMR Awareness Week (WAAW) statt. In diesem Kontext möchte die UNION in Zusammenarbeit mit Dakomed, IKLI und FG KMPhytomit ihrem Engagement einen Beitrag leisten und Erkenntnisse und Entwicklungen aus dem Bereich Komplementärmedizin bekannt machen. Die kostenlose Online-Veranstaltung ist gedacht für Medizinalpersonen; auf Anfrage sind auch weitere Interessierte willkommen. Mehr…


PROGRAMM
17:00
Begrüssung
Dr. med. Gisela Etter —Präsidentin UNION Schweizerischer komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen
17:05
Aktuelle Lage Antibiotikaresistenzen
Prof. Dr. med. Philip Tarr —Stv. Chefarzt Klinik Innere Medizin, Co-Leiter Allgemeine Innere Medizin Bruderholz, Leiter Infektiologie
17:15
«Phytotherapie als erste Wahl bei Infektionen» –am Beispiel von Harnwegsinfektionen
Dr. sc. nat. Beatrix Falch —Apothekerin, Co-Präsidentin SMGP, Co-Präsidentin FG KMPhyto
17:45
S3-Leitlinie Fiebermanagement: Update und offene Fragen
Univ.-Prof. Dr. med. David Martin —Lehrstuhlinhaber, Fakultät für Gesundheit (Department für Humanmedizin), Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin, Universität Witten/Herdecke
18:15
Erste Resultate der Hahnopakt-Studie
Univ.-Prof. Dr. med. David Martin —Lehrstuhlinhaber, Fakultät für Gesundheit (Department für Humanmedizin), Lehrstuhl für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin, Universität Witten/Herdecke
18:45
Interview mit Prof. Dr. med. Philip Tarr
Dr. med. Gisela Etter —Präsidentin UNION Schweizerischer komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen
18:55
Schlusswort
Dr. med. Gisela Etter —Präsidentin UNION komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen


JETZT ANMELDEN
Anmeldungbis16. November 2026


Moderation
Dr. med. Gisela Etter, PräsidentinUNION Schweizerischer komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen

Kontakt
UNION Schweizerischer komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen, Postfach, 6002 Luzern
+41 41 368 58 05 | www.unioncomed.ch

Homöopathie – eine alte Dame in schwierigen Zeiten Festvortrag von Harald Walach gehalten auf der Jahrestagung der ÖGHM im Oktober 2026 in Graz

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich beginne mit einer typischen Captatio Benevolentiae. Die Aktivität der österreichischen Homöopathen ist nämlich 100 plus 69 Jahre alt. Denn 1857 hat Marenzeller einen wichtigen Artikel geschrieben, wie man denn homöopathische Arzneimittelprüfungen durchführen soll (Marenzeller 1857).

Kurz nach Hahnemanns Tod waren es die österreichischen Homöopathen, die die Durchführung von Arzneimittelprüfungen durch ein offizielles Protokoll regelten. Ich habe das 1992 in meiner Promotion, die sich mit Arzneimittelprüfungen beschäftigt hat, zitiert und ein bisschen bearbeitet (Walach 1992). Das ist sehr interessant, denn die österreichischen Homöopathen waren damals an der vordersten Front, wenn es darum ging, die Arzneimittelprüfungsmethodik international aufzuarbeiten. Sie stehen hier also in einer guten Tradition.

Ich bin von Herrn Dr. Usar gebeten worden, etwas zur Homöopathie in unserer Zeit zu sagen, darüber, wie sie einzuordnen ist. Daher stammt der Titel: „Homöopathie, eine alte Dame in schwierigen Zeiten“. Das ist sozusagen mein Motto, weil ich uns allen helfen will zu verstehen: Warum haben wir diese Turbulenzen jetzt und heute? Sie wissen alle: Die Homöopathie ist unter Druck. Überall. In Deutschland ist sie soeben aus der Kassenerstattung herausgeflogen.

Schon eine ganze Weile haben in Deutschland verschiedene Landesärztekammern die Weiterbildungsverordnung Homöopathie gestrichen. Überall kommt dieser Druck und man fragt sich, warum? Ich will Ihnen versuchen, ein kleines bisschen zu helfen, das zu verstehen. Ich tue das in insgesamt 3 Schritten. Ich will es erst mal historisch kontextualisieren. Dann will ich Ihnen etwas zu diesem großen Konglomerat „Transhumanismus“ sagen, mit dem wir im Moment konfrontiert werden, oft ohne das überhaupt zu verstehen und zu wissen. Die meisten Leute bemerken es gar nicht. Ich habe soeben ein Buch zu diesem Thema herausgebracht (Walach 2026). Daraus werde ich zusammenfassen. Und dann will ich zum Schluss zu der Frage kommen: Gibt es da eine andere Möglichkeit, mit diesen Problemen umzugehen? Ich will beginnen mit einem Zitat aus Hahnemanns Organon, und zwar dem Vorwort zur 6. Auflage. Das ist in Paris 1842 erschienen.

Historischer Kontext

Merken Sie sich das Datum: 1842! Sie finden das Zitat ganz vorne, Seite 9 (Hahnemann 1979, orig. 1921). Da schreibt Hahnemann:

„Die Homöopathik kann jeden Nachdenkenden leicht überzeugen, dass die Krankheiten der Menschen auf keinem Stoffe, auf keiner Krankheitsmaterie beruhen, sondern dass sie einzig geistartige, dynamische Verstimmungen der geistartigen, den Körper des Menschen belebenden Kraft, des Lebensprinzips, der Lebenskraft sind.“

Das kennen Sie alle. Es ist eine der wenigen wirklich theoretischen Stellungnahmen von Hahnemann: Krankheit ist Verstimmung der Lebenskraft.

Damit steht er in seiner Zeit, 1842. Das ist ein Jahr vor seinem Tod geschrieben. Er steht in einer ich würde mal sagen, progressiv-vitalistischen Tradition. Das war damals die übliche Denkweise. Der Physiologe Johannes Müller, derjenige, der diese Schule verkörperte, war der Lehrer von wirklich allen großen Ärzten der damaligen Zeit: Du Bois-Reymond, Helmholtz, alle sind bei ihm in die Schule gegangen, haben aber, das werden Sie gleich sehen, dieses Erbe verraten. Aber Hahnemann steht im Grunde mit diesem Denken des Vitalismus in der damaligen, man würde heute sagen, Mainstream-Denkart.

Lebenskraft ist in diesem Denken etwas, was den Organismus von innen heraus belebt, was den Organismus zusammenhält, wenn man so will. Und Krankheit ist Verstimmung dieser Lebenskraft. Ich habe 1986 meine Diplomarbeit publiziert (Walach 1986): „Homöopathie als Basistherapie“.

Ich habe es damals wichtig gefunden, die Homöopathie neu zu interpretieren und zu fragen: Wie kann man Lebenskraft modern verstehen? Wie kann man dieses Verständnis, dass es hier nicht um materielle Prozesse allein geht, sondern um eine Verstimmung eines organisierenden Prinzips geht, wie kann man das modern fassen? Ich bin dann drauf gestoßen, dass das eigentlich ziemlich einfach geht. Man muss das Konzept der Lebenskraft nur mit der modernen Systemtheorie verbinden und mit den systemtheoretischen Konzepten, die Ludwig von Bertalanffy und andere entwickelt haben. Ludwig von Bertalanffy hat 1956, wenn ich das recht erinnere, sein Buch General Systems Theory publiziert (Bertalanffy 1968), und darauf aufbauend sind sehr, sehr viele Entwicklungen passiert.

Es haben dann in den 80er Jahren Maturana und Varela eine autopoietische Theorie entwickelt (Maturana & Varela 1975). Wenn man diese Theorie nimmt, diese Idee, dass jedes biologische Wesen sich seine Grenzen selber schafft und mit der Eigenaktivität sich immer wieder neu aufrechterhält und damit auch seine Gesundheit aufrechterhält, damm haben wir eine wunderbare Reinterpretation dessen, was Hahnemann mit seiner Lebenskraft damals gemeint hat. In moderner Fassung und auch vermittelbar mit moderner Theorie und mit moderner theoretischer Konstruktion in der Biologie und in der Philosophie.

Dachte ich damals, naiv wie ich war. 1984 habe ich mir gedacht, wenn man das jetzt publik macht, das müsste doch jeder vernünftige Mensch verstehen. Aber nicht nur hat es die Homöopathen nicht interessiert, es hat auch sonst niemanden interessiert. Obwohl das eigentlich ziemlich einfach ist. Wenn man sich das nämlich überlegt, dann ist die Systemtheorie eine direkte Weiterentwicklung dieser vitalistischen These minus der Idee, dass da irgendein spezielles Prinzip ist, das für die Lebendigkeit sorgt.

Wenn man diese systemische Betrachtung nämlich ernst nimmt, dann entsteht aus dem Zusammenwirken all dessen, was unseren Organismus ausmacht, die Gesundheit wie von selber. Und wenn diese Gesundheit auseinanderdriftet, weil irgendwelche äußeren Einflüsse, irgendwelche Noxen daherkommen, dann muss dieses systemische Prinzip wieder neu sortiert werden. Und Homöopathie, habe ich interpretiert, ist eigentlich nichts anderes als ein Impuls, der dieses System wieder in die richtige Lage bringt.

Mein guter Kollege und Freund Michael Hyland hat ein sehr kluges Buch darüber geschrieben, wie man Krankheit auf diesem Prinzip aufbauend verstehen kann, nämlich Krankheit als eine Fehlorganisation eines sich selbst organisierenden Systems auf einer höheren, aber falschen Ebene (Hyland 2011). Und wenn man diese ganzen Entwicklungen nimmt, dann kommt man eigentlich sehr leicht dazu, dass man diese vitalistische Tradition neu interpretieren kann.

Ich habe mich lange gefragt, warum greift das eigentlich niemand auf? Warum geht in der Medizin alles stur seinen Weg in Richtung dieser mechanistisch-materialistischen Art und Weise des Denkens und der Intervention?

Diese Frage ist, glaube ich, eine wichtige. Wenn man sie gut versteht und vor allem gut beantworten kann, dann können wir auch verstehen, warum wir uns jetzt in dieser komischen Lage befinden. Diese systemische Neuinterpretation der Medizin, die ist oft probiert worden. Das war nicht nur ich, nein, da waren Größere am Werk: zum Beispiel Thure von Uexküll und Wolfgang Wesiack. Uexküll hat enorm viele Leute ausgebildet. Ich hatte das große Glück bei ihm in Freiburg öfter mal eingeladen gewesen zu sein, ich war bei seinen Tagungen, die er veranstaltet hat. Dort waren viele Lehrstuhlinhaber, Psychosomatiker und andere. Uexküll hat eine große Schule gegründet, hat ein Buch über die Theorie der Humanmedizin geschrieben (Uexküll & Wesiack 1988).

Er war enorm aktiv in dieser Richtung. Die Bestrebungen sind versickert: im Sande des Materialismus. Vielleicht weil es auch eine theoretisch anspruchsvollere Konzeption ist als die materialistische, mechanistische Konstruktion. Irgendwo ist der Grundgedanke immer wieder hochgekommen, aber keiner hat ihn aufgegriffen. Engel hat in den 80er-Jahren über die Bedeutung des Systemischen in der Medizin publiziert (Engel 1981) und alle zitieren ihn, aber keiner nimmt es wirklich ernst. Wenn wir die Sache historisch betrachten, hätte sich die systemische Denkweise bestens geeignet, um die Homöopathie neu zu interpretieren, neu aufzugreifen und mit der modernen Denkart in der Biologie zu verbinden. Das ist aber nie passiert. Teilweise waren meines Erachtens die Homöopathen selber schuld, weil es dort kaum irgendeiner für nötig erachtet hat, dieses Konzept des Vitalismus oder der Lebenskraft neu zu interpretieren.

Es ist die Entwicklung dieses mechanistischen Modells gewesen, die alles überrollt hat wie ein großer Panzer, die die Neuinterpretation vitalistischer Konzepte im Lichte des Systemdenkens verhindert hat, meine ich. 1842 war das, Sie erinnern sich, als Hahnemann sein Vorwort geschrieben hat zu seiner 6. Auflage des Organons. Jetzt lese ich Ihnen einen Text vor, der stammt aus dem gleichen Jahr. Den finden Sie bei Uexküll und Wesiack in dem Buch „Theorie der Humanmedizin“.

Sie zitieren dort aus einem Text von Bernfeld (Bernfeld et al. 1981), Bausteine einer Freud-Biografik:

„Die erstaunliche Erfolgsgeschichte dieser wissenschaftlichen Schule begann in den frühen vierziger Jahren mit der Freundschaft zwischen Emil du Bois-Reymond (1818-1895) und Ernst von Brücke (1819-1892), zu der wenig später Hermann von Helmholtz (1821-1894) und Carl Ludwig (1816-1895) stießen. Von Anfang an war diese Gruppe von einem wahren Kreuzzugsgeist beseelt. 1842 schrieb Du Bois: ‚Brücke und ich, wir haben uns verschworen, die Wahrheit geltend zu machen, daß im Organismus keine anderen Kräfte wirksam sind als die gemeinen physikalisch-chemischen...‘

Diese Männer bildeten einen Privatklub…. Die meisten Mitglieder waren Schüler von Johannes Müller, Physiker und Physiologen, vereint in der Idee, ein für allemal dem Vitalismus, der Grundüberzeugung ihres verstorbenen Meisters den Garaus zu machen… Im Laufe von rund fünfundzwanzig Jahren errangen sie die völlige Vorherrschaft über das Denken der deutschen Physiologen und Mediziner.“ (Uexküll & Wesiack 1988, S. 622 nach Bernfeld 1981)

Das Zitat aus dem Brief von du Bois-Reymond geht noch weiter und heißt dann: „…dass, wo diese bislang nicht zur Erklärung ausreichen, mittels der physikalisch-mathematischen Methode entweder nach ihrer Art und Weise der Wirksamkeit im konkreten Falle gesucht werden muss, oder dass neue Kräfte angenommen werden müssen, welche, von gleicher Dignität mit den physikalisch-chemischen, der Materie inhärent, stets auf nur abstossende oder anziehende Componenten zurückzuführen sind.“ (Du Bois-Reymond 1918, S. 108)

Zur gleichen Zeit wie Hahnemann, 1842, verschwören sich also, im wahrsten Sinne des Wortes, ein paar junge Physiologen, brillante Köpfe, und sagen: ‚Unser Ziel ist es, diesen veralteten Vitalismus unseres Lehrers Müller auszuräumen und zu zeigen, dass es nur materiell-physikalisch-chemische Kräfte im Organismus gibt.‘ Und das war damals eine Avantgarde-Meinung. Ja, das war die Meinung der wirklich jungen, hellen Köpfe.

Das ist nicht mehr Wissenschaft, sondern das ist der Versuch, einer Weltanschauung zum Durchbruch zu verhelfen. Und diese Weltanschauung ist schon relativ früh grundgelegt worden. Wir müssen fast 200 Jahre weiter zurückgehen ins Jahr 1664 Damals wurde Descartes‘ Buch Traité de l’Homme publiziert (Descartes 2003, orig. 1664). Descartes ist 1650 gestorben und 14 Jahre nach seinem Tod wurde sein zentrales Werk Traité de l’Homme, Abhandlung über den Menschen, publiziert.

Er hat es absichtlich nicht zu seinen Lebzeiten publiziert, weil er Angst vor der Inquisition hatte. Er dachte, wenn ich diesen Text zu Lebzeiten publiziere, ist meine Reputation zerstört. Deswegen posthum. In diesem Buch schreibt Descartes: Alle Organismen sind Automaten.

Da wird diese Idee vom Organismus als Automat zum allerersten Mal wissenschaftlich niedergelegt und kodifiziert. Das ist irgendwie erstaunlich und auch nachvollziehbar, denn zu dieser Zeit im 17. Jahrhundert haben Ingenieure raffinierte Erfindungen gemacht. Sie haben Uhren gebaut, die Planetenstände angezeigt haben. Sie haben Wasserspiele gebaut, bei denen man an einem entfernten Ort Wasser aufdrehte und ganz weit entfernt bewegen sich Figuren.

Es gab zu dieser Zeit unglaubliche mechanische Erfindungen, die alle mit Hilfe mechanischer Kraft funktioniert haben. Die Leute standen staunend davor. Und nun kommt Descartes und dreht den Spieß einfach um. Das machen wir eigentlich dauernd. Wir Menschen erfinden irgendwas und denken dann, ja, wenn das Mechanische so lebendig aussieht, vielleicht sind wir Lebendigen einfach nur mechanische Systeme?  Und das ist genau der zentrale Punkt dieses Buches von Descartes: die Behauptung, dass wir Menschen und alle Tiere Automaten sind. Diese Idee war damals absolut revolutionär. Menschen sind in Descartes‘ Sichtweise Automaten mit Seele, aber Tiere sind unbeseelte Automaten. Und wenn Sie jetzt diesen Gedanken eine Weile lang historisch durchdeklinieren, dann kommt natürlich auch die Idee auf, vielleicht ist unser Geist auch nur ein Automat (Beckermann 1989). Und dort sind wir heute. Unser Geist als Computer ist auch nur ein Automat, und die Seele brauchen wir nicht mehr, sie verschwindet.

Das war also 1664, und Sie sehen, bis zum Jahr1823 sind knapp 200 Jahre vergangen. Das ist ein Prozess, der eine ganze Weile gedauert hat. Und wie vehement diese mechanistische Denkweise sich gegen die alte aristotelische Denkweise durchsetzen musste, das sehen Sie an dem kleinen historischen Beispiel, das ich immer wieder gern zitiere. Das ist nämlich die Entdeckung des Herzschlags durch William Harvey. William Harvey hat in England als Privatforscher gearbeitet und als Leibarzt des englischen Königs.

Und dem kam irgendwann mal die aristotelische Idee komisch vor, dass das Herz ein Konvektionserwärmer sei: Das Herz erwärmt das Blut, das Blut steigt auf, wird vom Gehirn gekühlt und fällt wieder runter, und das ist der Blutkreislauf. Harvey vermutete: Das Herz ist eine Maschine, eine Pumpe. Und um das zu beweisen, nahm er Vivisektionen an Hunden vor. Er hat Hunde aufgeschnitten, sehr unappetitlich, und hat dann dieses pumpende Herz gesehen. Als er das publizierte, ging ein Aufschrei durch Europa. Emilio Parisano, ein Philosoph und Mediziner in Venedig, der damalige Wortführer der Ärzte in Europa, schrieb: „wenn dieser Harvey das Herz in London schlagen hört, dann sei er glücklich. Hier in Venedig gibt es niemand, der ein Herz schlagen hört.“ (Parisano 1647, S. 107)

1647 publiziert. Ich habe das am Anfang nicht geglaubt. Ich habe genauso reagiert wie Sie, habe gedacht, das ist doch Irrsinn, das gibt es ja nicht, dass einer behauptet, es gäbe keinen Herzschlag. Ich bin dann in Basel in die Bibliothek gegangen und habe mir das Original gesucht. Und es steht wirklich da.

Das war der Umbruch, an dem diese mechanistische Denkweise sich gegen die alte aristotelische durchgesetzt hat. Und sie war extrem modern zur damaligen Zeit. Descartes, Harvey, das waren die hellsten Köpfe. Aus dieser geistigen Umbruchssituation hat Descartes seine Ideen gezogen. Ungefähr 1623 machte Harvey diese Entdeckung. Und ein paar Jahre später kam Descartes mit der Idee: Organismen sind Maschinen.

Dann hat es 200 Jahre gedauert, bis sich dieses Denken wirklich durchgesetzt hat. Was ich Ihnen vorher vorgelesen habe, das Zitat von Dubois-Raymond, ist ungefähr 200 Jahre später. Und etwa 20 Jahre später hat Ludwig Virchow seine Zellularpathologie publiziert. Und damit ist dieses mechanistische Denken zur Standarddoktrin der modernen Medizin geworden.

Und wir sollten uns nicht täuschen: das ist eine sehr, sehr mächtige Denkweise. Das sehen wir daran, dass wir, wenn wir den Körper als Maschine abstrahieren, im Ernstfall, also in allen Notfällen, bei Unfällen, bei Infektionen, bei all diesen wirklich schweren akuten Problemen, die die Medizin zu bekämpfen hat, sehr effektiv damit arbeiten können. Wenn jemand im Schock ist, bin ich froh, wenn ein moderner Unfallmediziner aktiv wird. Da würde ich nicht unbedingt wollen, dass ein Schamane herumtanzt. Aber wenn jemand ein chronisches Problem hat oder ein psychiatrisches Problem, dann ist es manchmal sogar effektiver, wenn Sie eine ganz andere Behandlungsmethode anwenden als eine, die auf dem Modell des Körpers als Maschine aufbaut.

Das Problem taucht also da auf, wo wir diese Abstraktion, der Mensch oder der Organismus als Maschine, nicht mehr als Abstraktion und als Metapher verstehen, sondern als Realität nehmen. Wenn wir also dann nicht mehr sagen, wir können den Organismus betrachten wie eine Maschine unter bestimmten Umständen, zum Beispiel im Notfall oder in der Unfallsituation, sondern der Mensch ist eine Maschine. Und das ist genau die Situation, in der wir uns heute befinden, dass alle einigermaßen wohl informierten Zeitgenossen von sich selber reden, als seien sie eine Maschine. Dann sagen die Leute, ich brauche jetzt eine neue Hüfte, so wie sie sagen würden, ich brauche ein neues Hinterrad für mein Auto. Oder sie sagen, ich kriege jetzt eine neue Herzklappe, so wie sie sagen würden, ja, mein Auto kriegt einen neuen Vergaser.

Die Menschen denken jetzt nicht nur über sich selber nach, indem sie die Maschine als Metapher verwenden, sondern sie denken, sie seien eine Maschine. Das ist das, was Gregory Bateson einmal die Verwechslung der Speisekarte mit der Speise genannt hat (Bateson 1982). Gregory Bateson, ein großer Biologe, hat mal diesen Witz geprägt: Sie gehen ja nicht in ein Restaurant und essen die Speisekarte, sondern Sie nehmen die Speisekarte, um ein Essen zu bestellen. Aber wir, wenn wir solche Metaphern missverstehen, dann tun wir so, wie wenn wir die Speisekarte als Essen verwenden würden. Das ist genau das, was passiert ist.

Wir haben nicht nur das Verständnis, dass es nützlich ist, den Organismus unter manchen Umständen als Maschine zu betrachten, als Abstraktion, sondern wir tun so, als wäre das die einzige Art und Weise, wie wir den Organismus verstehen können. Nun kommt eine ganz neue Wendung hinzu. Diese Descartes‘sche Analyse, die den Organismus als mechanistisches System sieht, wurde nun in den 70er, 80er Jahren auf den Geist übertragen. Jetzt wird auch der Geist betrachtet wie eine Maschine. Und nun sprechen wir von uns als biologischen Algorithmen (Harari 2014, 2017).

Manche Forscher tun so, wie wenn sie mit Hirnforschung den Kern des Geistes ergründen könnten. Und wenn sie nicht irgendwas haben, was mit bunten Hirnbildern unterlegt ist, dann hat es keine wissenschaftliche Dignität. Die meisten Leute, vor allem diejenigen, die sich nicht gut genug auskennen, denken, wenn man Hirnbilder hat, weiß man irgendwas übers Gehirn. Man weiß ein bisschen was übers Gehirn, ja, aber man weiß auch vieles nicht. Und man täuscht sich sehr häufig (Hasler 2015).

Ich weiß nicht, ob Sie diese witzige Untersuchung kennen, wo jemand mal einen toten Lachs in den Gehirnscanner gelegt hat. Sie haben gemessen und die normalen Auswertungsroutinen über die Daten laufen lassen und haben dann tatsächlich ein paar Aktivitäten gefunden (Bennett et al. 2010). Die haben das als Hinweis darauf publiziert, wie schnell man über falsche statistische Positivität Schlüsse ziehen kann. Das hat dann dazu geführt, dass viel von dem, was in der Gehirnforschung passiert ist, kritisch hinterfragt wurde. Das aber jetzt nur am Rande. Was ich damit sagen will: die Mechanisierung unseres Organismus hat in den ausgehenden 20 Jahren des letzten Jahrhunderts dazu geführt, dass auch unser Geist und damit unser Innenleben und damit unsere menschliche Dignität als algorithmisch verhandelbar und analysierbar betrachtet worden ist. Und damit sind wir bei einer Bewegung, die wir heute als Transhumanismus wiederfinden.

Transhumanismus

Transhumanismus ist die Bewegung, die, wenn Sie so wollen, die Speerspitze dieses materialistischen Denkens in der Medizin und auch in der gesamten modernen Naturwissenschaft darstellt. Transhumanismus ist als Begriff genauso alt wie ich. Er wurde von Julian Huxley 1957 definiert in einem kurzen Text, der ursprünglich in dem Buch ‚New Bottles for New Wine‘ publiziert wurde, und ist mittlerweile leicht verfügbar. Die Definition ist ziemlich kurz:

“The human species can, if it wishes, transcend itself as humanity. We need a name for this new belief. Perhaps transhumanism will serve. Man remaining man but transcending himself by realizing new possibilities of and for his human nature.” (Huxley 2015 (orig. 1957))

Julian Huxley war ein evolutionstheoretischer Biologe, der sehr klar gesehen hat, wenn wir die Evolution sozusagen zum Kern unserer naturwissenschaftlichen Denkweise machen, dann kommt irgendwann mit Sicherheit die Frage: Was passiert, wenn wir uns selber in dieser Evolution nicht nur als Objekte verstehen, also als diejenigen, die sozusagen Resultat der Evolution sind, sondern als Subjekte, als diejenigen, die diese Evolution steuern?

Und jetzt nehmen Sie diese beiden Elemente zusammen. Das Denken, der Mensch ist eine Maschine, und zwar nichts als eine Maschine, eine biologische Maschine, deren Geist auch biologisch algorithmierbar ist, mit dem Gedanken, der Mensch ist Resultat der Evolution und gleichzeitig Subjekt dieser Evolution. Dann landen Sie bei dem transhumanistischen Denken, mit dem wir heute, ich würde mal sagen, fast universell konfrontiert sind. Die wenigsten Leute verstehen das, weil ihnen diese Zusammenhänge nicht klar sind, aber Sie sehen überall diese Idee, dass man den Menschen als hackbares biologisches Individuum sehen kann. Das kann man auseinandernehmen, wir können irgendwann einmal den menschlichen Geist auf eine Computercloud herunterladen, all diese Ideen.

Transhumanismus ist, wenn Sie so wollen, eine Art Weltanschauung, die diese materialistische Denkungsart zuspitzt. Ich habe in meinem Transhumanismus-Buch, das ich vor kurzem publiziert habe, sehr viel Zeit darauf verwendet, auch diese ganzen Grundlagen zu analysieren (Walach 2026). Ich will es hier nur skizzenhaft tun.

Im Grunde haben wir im Transhumanismus eine Denkart, die diese mechanistische Biologie, die sich aus dieser kartesianischen Tradition ergibt, zuspitzt und davon ausgeht, dass nichts als Materie in dieser Welt relevant ist. Es ist also eine materialistisch-naturalistische Zuspitzung. Das, was Sie bei Du Bois-Reymond gehört haben, dass nichts als die materiell-chemisch-physikalischen Kräfte aktiv sind, das sehen wir im Transhumanismus sehr, sehr deutlich, und zwar nicht nur als wissenschaftliche Hypothese, sondern als Weltanschauung. Als Weltanschauung, die die Meinung verkündet, sie wird auch den Menschen endgültig befreien, weil wir nun als Menschen all das, was die Natur schlecht und recht zusammengestümpert hat, besser machen können. Wie machen wir das besser?

Erstens durch genetische Interventionen. Zweitens durch das, was wir schon kennen, pharmakologische Verbesserung des Menschen. Drittens durch technische Implantate, indem wir zum Beispiel Gehirn-Computer-Schnittstellen bauen, mit denen wir Menschen bessere Zugänge zu Informationen geben oder sie vielleicht von außen steuern können. Das Letzte ist dann die Cyborgisierung des Menschen, also ein Mischwesen aus technischen und biologischen Systemen zu bauen, das dann die menschlichen Grenzen übersteigt. Und die Idee dahinter ist immer, den Menschen selber zu transzendieren. Bei Huxley bleibt der Mensch noch Mensch. Aber die modernen Transhumanisten gehen davon aus, dass der Mensch dann viel, viel besser wird. Dazu gehört noch als weiteres Thema die Abschaffung des Todes.

Ich will nun diese einzelnen Punkte etwas ausbuchstabieren. Fangen wir mit der pharmakologischen Verbesserung des Menschen an. Ein kluger Beobachter hat in der medizinischen Literatur geschrieben, die erste transhumanistische Intervention war Viagra (Elbek 2023).

Viagra kennen alle, dieses Potenzverbesserungsmittel, das ziemlich gut funktioniert, wenn man jetzt mal die wissenschaftliche Literatur betrachtet (Graziano et al. 2017). Metaanalysen berichten über mittelgroße Effektstärken, und vor allem die frühen Metaanalysen sind überschwänglich. Das ist oft so in der medizinischen Literatur, wenn man sich die Metaanalysen über die Zeit anschaut, dann sind die allerersten meistens toll.

Es geht dann eine Weile, bis die ersten Berichte über Nebenwirkungen auftauchen, bis man sieht, die neue Arznei führt zu Gewöhnung, dann muss man neue Medikamente nehmen. Das ist ein Zyklus, den man in der Medizin immer beobachten kann, finde ich. Und so war es bei Viagra auch: die ersten Metaanalysen – grandiose Effekte, keine Nebenwirkungen (Fink et al. 2002; Moore et al. 2002). Die nächsten Metaanalysen: kleinere Effekte, erste Nebenwirkungen (García-Perdomo et al. 2017; Liu et al. 2019). Und allmählich tauchen jetzt in der Literatur die Nebenwirkungen auf (Brader et al. 2019; Graziano et al. 2017; Robles-Marhuenda et al. 2019; Younis et al. 2019).

Augenprobleme: die Leute werden zum Teil blind; Thrombosen, Migräne und andere Probleme. Das war in den ersten Studien nicht sichtbar. Aber das ist immer wieder das gleiche Prinzip: Anfangs Enthusiasmus, große Effekte. Dann die allmähliche Abkühlung: Die Effekte werden kleiner, neue Medikamente müssen her, Nebenwirkungen tauchen auf, Skepsis macht sich breit.

Das konnte man bei den Neuroaminidasehemmern (z.B. Tamiflu) beobachten: Erste Meta-Analysen waren überschwänglich (Muthuri et al. 2014), vor allem deswegen, weil viele Studien mit negativen Ergebnissen unpubliziert blieben. Nach einen jahrelangen Kampf mit der European Medicines Agency wurden auch die unpublizierten Daten freigegeben (Doshi 2009). Der Effekt verflüchtigte sich und Nebenwirkungen traten sehr viel prominenter hervor (Jefferson et al. 2014).

Das sieht man auch an den selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren, die in den 1980er Jahren entwickelt wurden und zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Erst wurden sie überschwänglich gelobt, und es wurde ein riesiger Mythos aufgebaut (Kirsch 2016). Dieser Mythos ist überhaupt nicht mehr aus den Köpfen der Leute rauszukriegen, dass Depression ein Problem mit dem Gehirn ist. Da fehlt das Serotonin, also füllen wir es ein. Und wenn Noradrenalin fehlt, füllen wir das auch ein. Und wenn irgendwas anderes fehlt, füllen wir halt das nach. Es ist überhaupt nicht mehr überschaubar, was die Psychiater alles machen. Im einen Fall werden Serotoninagonisten gegeben, im anderen Fall werden Serotonindeprivatoren gegeben, im einen Fall wird nur Adrenalin eingespült, im anderen Fall wird es wieder rausgeholt und alles soll irgendwie auf Depression wirken. Tut es aber nicht, wenn man mal genau hinschaut (Kirsch et al. 2018), weil die Metaanalysen zeigen, dass die spezifischen Effekte dieser Substanzen sehr gering sind und die Nebenwirkungen sehr groß (Kirsch et al. 2008; Turner et al. 2008). Ich habe vor vielen Jahren mal auf einer Tagung Stefan Sorgner, das ist einer der deutschen Transhumanisten,  damit konfrontiert. Sorgner hat ein ganz passables Buch über Transhumanismus auf Deutsch geschrieben (Sorgner 2019) und hat enthusiastisch vorgetragen, dass wir also jetzt in der Lage seien, alle emotionalen Probleme medikamentös zu beheben. Dann habe ich ihn einfach mal kurz auf die möglichen Nebenwirkungen angesprochen. Der hat mich angeschaut, wie wenn ich von einem anderen Planeten wäre. Er hat noch nie etwas davon gehört. Die transhumanistischen Vertreter sind sehr fixiert auf die vermeintlich positiven Effekte und blenden alle negativen Effekte aus.

Das ist etwas, was man in dieser Community gut beobachten kann. Medikamentöse Verbesserung, Enhancement heißt der englische Begriff dafür, wird mit großer Begeisterung aufgegriffen. Es werden vor allem die positiven Effekte in den Vordergrund gestellt, die negativen Effekte, die Probleme, die Nebenwirkungen, die werden, solange es geht, ignoriert. Kennen Sie das irgendwoher, das Muster? Ja.

Eben, das kennen wir doch. Das Gleiche haben wir bei den Covid-19-Impfungen gesehen. Sie wurde enthusiastisch hochgelobt. Alle müssen sie haben und ohne sie geht es gar nicht. Und es ist alles komplett unkompliziert und völlig nebenwirkungsfrei, und eine Impfung reicht und alles ist gut. Na ja, wir brauchen vielleicht doch zwei, und vielleicht doch noch nach 3 Monaten einen Booster. Und eigentlich braucht man es ein Leben lang. Ja, also Sie sehen, dieses Muster taucht immer wieder auf. Und ich bin jetzt bewusst bei den Covid-19-Impfungen. Denn der zweite zentrale Punkt einer transhumanistischen Agenda ist die genetische Aufrüstung des Menschen.

Das ist die zentrale Agenda. Wenn Sie mal diese Texte von verschiedenen Transhumanisten lesen, dann kommt immer wieder der Begriff ‚Genetic Enhancement‘ vor. Genetic Enhancement heißt genetische Verbesserung. Das ist so ein wollweicher, ja wunderschöner Begriff. Da kann man doch nichts dagegen haben, oder? Wenn jemand ein Kind haben will, das klug ist und gleichzeitig sozial verträglich und dann auch noch gut in Sport und Geige spielen kann und am Ende noch viel schneller lernt als andere, wer will denn das nicht?

Und das kann man alles machen, indem wir genetisch an Menschen herumschrauben, denn die Natur, die hat es vermasselt. „We need to improve on the lottery”, sagt z.B. Harris (2007). Wir müssen also diese Zufallslotterie, die durch die Genetik entsteht, wenn Mann und Frau ein Kind zeugen, verbessern und eingreifen.

Das geht nur durch genetische Verbesserung, durch genetischen Eingriff, idealerweise in die Keimbahn. Denn wenn wir in die Keimbahn eingreifen, dann haben wir es nur mit 4 oder mit 8 Zellen zu tun, an denen können wir genetisch herumspielen, und dann entwickelt das, was da wächst, eben diese genetischen Veränderungen. So weit sind wir Gott sei Dank noch nicht, aber das ist das, was Transhumanisten in ihren Texten fordern, und zwar nicht nur als was, was man machen könnte, wenn ein paar Eltern das gern mal hätten, sondern als eine Pflicht. Das ist der entscheidende Punkt. Wir hätten die Pflicht, solche genetischen Verbesserungen einzuführen, wenn sie denn einmal entstünden.

Das ist in der Tat Eugenetik. Wenn Sie diese Texte lesen, dann sehen Sie, die Leute argumentieren alle eugenisch. Das sind im Grunde fast alle malthusianische Denker, die davon ausgehen, dass die Welt überbevölkert ist, und zwar mit Leuten, die man irgendwie gar nicht braucht. Das taucht auch in Vorträgen von Yuval Noah Harari auf, die er beim WEF und anderswo hält, wo er sinngemäß sagt: „I don’t know what we do with these useless eaters.“ Da gibt es dann eine ganze Menge von Menschen, die sind eigentlich überflüssig, „useless eaters“. Denn die wichtigsten Arbeiten werden sowieso die künstliche Intelligenz und die Roboter verrichten und die klugen Leute. Die anderen brauchen wir nicht. Insofern ist es natürlich eine Denkart, die kommt aus dieser eugenisch-malthusianischen Richtung. Malthus, das war ein englischer Wirtschaftstheoretiker, der gedacht hat, wir sind viel zu viele Menschen, damals schon im 19. Jahrhundert, und irgendwann gehen uns die Ressourcen aus. Der Club of Rome ist auch so eine typische malthusianische Denkfabrik. Irgendwann haben wir unsere Ressourcen erschöpft und wir müssen schauen, dass es weniger Menschen gibt auf der Welt.

Nun ist dieses genetische Manipulieren der Keimbahn bis jetzt noch tabu. Bei uns. In China ist es bereits mal durchgeführt worden. Es ist nicht sehr lang her, als Jiangkui He, ein chinesischer Wissenschaftler genau das gemacht hat (Caplan 2019; Wang & Yang 2019). Er hat in vitro Kinder gezeugt, deren Vater HIV-krank war und die Mutter sich zur Verfügung gestellt hat. Sein Argument war, das er damit zeigen will, wie man AIDS heilen kann. Das hat natürlich niemand geglaubt. An diesen Keimlingen hat er rumexperimentiert. Sie sind gestorben und hatten multiple Gendeffekte, jede Menge genetischer Abnormalitäten. Es haben sich dann auch chinesische Genetiker vehement dagegen gewehrt und seither ist nichts mehr von ihm und diesen Experimenten zu hören (Gumer 2019; Wang & Yang 2019). Es ist aber eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis diese Idee wiederkommt. Denn sie ist das zentrale Element der transhumanistischen Agenda, genetisch am Menschen herumzuschrauben.

Das haben wir während der Covid-19-Krise in Aktion gesehen. Denn diese Impfstoffe waren genetische Präventionstechnologien (Quinn et al. 2026). Unsere Zellen sind gezwungen worden, wenn man es denn zugelassen hat, und viele haben das, fremdgenetisches Material auszudrücken. Diese modifizierte RNA-Plattform ist eine Plattform, die wird jetzt immer weitergehen für alle möglichen Impfungen. In Amerika sind schon einige Grippeimpfstoffe zugelassen, es sind auch andere Impfstoffe zugelassen. Es sind jede Menge Stoffe in der Pipeline. Denn dieses materialistisch-orientierte ontologische Denken, also das Denken darüber, aus welchen Elementen die Welt besteht, nämlich nur aus Materie, hat sich nun mit der materialistisch-ökonomischen Denkweise verbunden. Das Wichtigste auf der Welt ist Geld.

Und diese beiden Elemente zusammengenommen befeuern nun natürlich dieses System. Die großen Pharmafirmen haben im Prinzip nur noch wenige Krankheiten, für die man noch Medikamente wirtschaftlich sinnvoll neu entwickeln kann. Das sind die Orphan Diseases, also die Krankheiten, die nicht oft vorkommen. Dort kann man noch Geld machen. Bei Krebs und bei individualisierter Therapie kann man ebenfalls Geld machen. Aber im Grunde gibt es für die großen Krankheiten gute Medikamente.

Wenn man nun aber den Wertschöpfungseffekt beibehalten will, und das waren immer zweistellige prozentuale Zuwächse in den letzten Jahren, dann gibt es nur noch eine gute Möglichkeit. Es gibt 7 Milliarden gesunder Organismen auf der Welt, und wenn man die davon überzeugen kann, dass sie alle präventiv behandelt werden müssen, immer wieder neu, dann haben Sie ein unerschöpfliches Wertschöpfungspotenzial. Und das ist das, was Sie gerade sehen. Das verbindet sich mit dieser transhumanistischen Denkweise, dass wir ja den Menschen verbessern müssen. Wenn man den Menschen nicht mit allen möglichen Medikamenten und Impfungen versorgen würde, würde er sterben. Der wäre armselig, er könnte gar nicht leben. Das ist ja die Idee, die momentan überall transportiert wird, in allen möglichen Medien. Warum? Weil eines der Grund- und zentralen Elemente der transhumanistischen Ideologie die genetische Verbesserung ist.

Wenn man nun die Erfolgsquote genetischer Interventionen betrachtet, und das habe ich in meinem Buch durchdekliniert, dann ist die eigentlich sehr gering. Maximal 1% aller Krankheiten sind genetisch an einem einzelnen Gen fixierbar. Da gehört zum Beispiel Mukoviszidose dazu, die Krankheit, die dazu führt, dass die Schleimzellen zu wenig Schleim abgeben, dann bekommen die Betroffenen wiederholt Infektionen in den Lungen und sterben irgendwann früh. Das Gen, an dem die Krankheit Mukoviszidose fixiert ist wurde in den 1980er Jahren entdeckt (Griesenbach & Alton 2013). Und seit dieser Zeit versucht man an diesem Gen zu therapieren und hat nun auch ein paar Gentherapien eingeführt. Man sieht, wie kompliziert das ist. Denn wenn Sie diese Mukoviszidose gentherapeutisch behandeln wollen, dann müssen Sie praktisch 60, 70% aller Zellen erreichen, die diese Defekte haben. Und es ist sehr, sehr schwierig. Da wurde lang geforscht. Vor 10 Jahren wurde in England eine Studie publiziert, die gentherapeutisch Mukoviszidose-Patienten behandelt hat (Alton et al. 2015). Das waren wahrscheinlich alle Mukoviszidose-Patienten Englands, die mitgemacht haben. Es waren 78 Patienten im Behandlungsarm und 62 Patienten in der Kontrollgruppe. Die mussten über ein Jahr lang dieses gentherapeutische Präparat inhalieren und am Ende war der Erfolg zwar signifikant, aber klein: ein Drittel Standardabweichung, d = 0,39, bei den Lungenfunktionsparametern und d = 0,11 bis 0,42 bei den sekundären Parametern. Nebenwirkungen gab es auch, aber nur in der Behandlungsgruppe. Der Effekt ist ungefähr so groß, wie der Effekt von Antidepressiva gegen Placebo. Es ist ein Effekt, der vielleicht für Mukoviszidose-Patienten tolerabel und gut ist. Aber es ist nichts, was durchschlagend ist.

Das Gleiche gilt für die genetische Behandlung von Sichelzellanämie. Die Sichelzellanämie ist auch eine Krankheit, die an ein Gen fixiert ist. Dafür gibt es mittlerweile eine relativ gute Gentherapie. Dafür werden Blutstammzellen entnommen. Die werden umprogrammiert und wieder in den Organismus zurückgegeben. Das ist also leichter als bei Mukoviszidose. Diese Studien wurden vorletztes Jahr im New England Journal of Medicine publiziert. Da wurden 44 Patienten mit dieser Therapie behandelt und 30 Patienten ausgewertet. Die Therapie war sehr erfolgreich, aber extrem nebenwirkungsträchtig. Die Patienten haben gelitten. Aber vielleicht würde ich, wenn ich Sichelzellanämie hätte, das auch über mich ergehen lassen, weil ich dann eine Chance hätte, von der Krankheit befreit zu werden. Die kostet ein Kurs: 2,8 Millionen Dollar. Das kanadische Health Technology Assessment Center hat gesagt, sie zahle das, aber nur, wenn die Leute jung sind und keine anderen Therapien helfen (Canada’s Drug Agency 2025).

Aber jetzt müssen wir uns klarmachen: Das ist eine Krankheit der 1% aller Krankheiten, die genetisch fixiert sind. Es ist völlig illusorisch zu glauben, dass wir mit Gentherapie Krankheiten auslöschen können, was auch immer erzählt wird. Kommt nun ein weiteres Problem hinzu, das meistens nicht beachtet wird: Die Genetik selber ist ja nur das Oberflächensyndrom. Dahinter verbirgt sich das enorm komplexe epigenetische System, das aus mindestens vier Lagen von Proteinen besteht. Das sind verschiedene Systeme, die dazu führen, dass ein Gen zum Beispiel abgelesen wird oder nicht abgelesen wird. Es ist wahrscheinlich auch der Träger einer, ich würde mal sagen, kurzfristigen Vererbbarkeit von Verhaltensweisen. (Jablonka & Lamb 2005)

Man konnte bei Mäusen und verschiedenen anderen Tieren sehen, dass man Eigenschaften zum Beispiel auch weitergeben kann. Aber bei der Weitergabe passieren ganz merkwürdige Dinge. Wenn zum Beispiel Mäuse genetisch so manipuliert werden, dass sie Diabetes bekommen, fettleibig werden und ein gelbes Fell kriegen und man vermehrt nun diese Mäuse, dann bilden sich manche wieder zurück in den Wildtyp und die genetische Veränderung ist weg. Bei manchen bleibt sie, bei manchen geht sie zurück, bei manchen vermischen sich die Gene.

Woher kommt das nun? Das weiß kein Mensch, weil sich eben diese epigenetischen Schichten, die zwischen der Genetik und ihrem Ausdruck liegen dynamisch verändern und weil der Zugriff auf diese epigenetischen Schichten mechanistisch nicht möglich ist, also mindestens derzeit noch nicht. Und deswegen sind die Versuche, genetisch beim Menschen zu intervenieren, meines Erachtens von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das Problem ist, dass die populistische Sichtweise diese Sachverhalte ignoriert. Und nun passiert Folgendes: Jetzt wird diese Ideologie weitertransportiert und alle denken, die Erlösung von unseren Problemen stünde vor der Tür. Und ehe wir es uns versehen, tauchen wir in die ökonomischen Zwänge ein, die entstehen. Die entstehen zum Beispiel auch durch diese ganzen technischen Gadgets, die entwickelt werden. Das wäre der nächste Schritt: Brain-Computer-Schnittstellen zum Beispiel oder Systeme, die den Körper überwachen.

Bei Gehirn-Computer-Schnittstellen sehen wir etwas ähnliches: Es wird ein Riesenpropagandaaufwand betrieben: wir können unsere kognitive Kapazität verbessern, unser Gedächtnis skalieren, unsere Persönlichkeit in der Cloud unsterblich machen, und was da alles kolportiert wird. Tatsache ist: Im Moment funktionieren solche Schnittstellen vor allem therapeutisch gut, wenn es z.B. um die Kontrolle schwerer Epilepsie geht oder um die Unterstützung motorischer Prothesen. Aber jedes Element, das ins Gehirn eingebaut wird, löst starke immunologische Reaktionen aus, so dass solche Systeme irgendwann nicht mehr funktionieren oder der gesunde Organismus leidet. Es ist eine Sache, einen Kranken mit solchen Systemen zu behandeln, der vielleicht sonst gelähmt oder schwer behindert ist. Es ist etwas anderes zu meinen, mit solchen Gadgets den menschlichen Wirkungskreis zu erweitern.

Und die Idee, man könne seine Persönlichkeit einfach in die Cloud laden, hängt von zwei Voraussetzungen ab: Die eine ist technisch, die andere grundsätzlich. Die grundsätzliche Frage ist, ob unser Geist tatsächlich aus einem materiellen System, dem Gehirn, entsteht oder ob er nicht womöglich nur durch das Gehirn vermittelt und gefiltert wird. Es ist im Moment eine pure Behauptung, noch dazu eine schlecht fundierte, dass das Gehirn den Geist erzeugt. Ich gehe jetzt nicht näher darauf ein. In meinem Galileo-Bericht habe ich mich damit ausführlich auseinandergesetzt (Walach 2019). Die technische Frage hängt davon ab, ob es tatsächlich realistisch ist, dass man das Gehirn mit Milliarden von Nanobots flutet, die unsere Gehirnaktivität in Echtzeit aufzeichnen und dann in ein Silikonmodell übertragen. Diese Frage hat zum einen die Seite der Machbarkeit: Wird es realistisch sein, so etwas durchzuführen? Sie hat zum anderen die Seite der Unbedenklichkeit: Wird unser Gehirn eine solche Intervention mitmachen, ohne schweren Schaden zu erleiden?

Solche Systeme benötigen natürlich eine große Kontrolle und Kommunikationskapazität. Das ist auch der Grund, warum Elon Musk mit seiner SpaceX im Moment ungefähr 7000 Satelliten im All hat, die nichts anderes machen, als die Erde mit 5G-Strahlung zu bestrahlen. Das Ziel ist, auf 48.000 Satelliten aufzurüsten, damit die ganze Welt damit geflutet wird. Denn nur durch dieses Kontrollsystem, nur durch diese Mikrowellenstrahlen und ein enges Netzwerk von Relaystationen können wir Autos und Organismen so kontrollieren, dass zum Beispiel auch biologische Prozesse ablesbar und kontrollierbar werden. Musk verwendet natürlich jetzt dieses Starlink-System für Internet in der Wüste und so weiter, selbstfahrende Autos, aber das sind alles Prozesse, die natürlich zusammengehören.

Und alles, was zur Verbesserung dient, kann umgekehrt auch zur Kontrolle oder zur Zerstörung verwendet werden. Das ist das Problem. Und ich glaube nicht, dass unsere Politiker diese Zweischneidigkeit auf ihrem Radar haben. Denn diejenigen Leute, die hier Geld investieren, zum Beispiel in künstliche Intelligenz oder in solche technischen Systeme, die nehmen extrem viel Geld in die Hand und wollen ‚Return on Investment‘ sehen. Die werden mit Sicherheit alle ihre Hebel in Bewegung setzen, dass das irgendwann implementiert wird. Daher ist Transhumanismus nicht nur eine Schnapsidee einiger Exzentriker, es ist eher die Mehrheitsideologie einiger sehr reicher und daher auch sehr mächtiger Leute, die versuchen werden, den Rest der Welt auf ihre Linie zu bringen.

Alternativen und Gegenentwürfe

Können wir etwas dagegen tun? Oder wie können wir dieser Entwicklung Einhalt gebieten, wenn wir es denn tun wollen? Ich glaube, das Erste, was wir machen müssen, ist verstehen: Mit dieser Entwicklung wird unser Begriff vom Menschen komplett desavouiert. Wenn ich sage „unser Begriff vom Menschen“, meine ich das, was sich in unserer westlichen Kultur über die letzten Jahrhunderte aufgebaut hat.

Da ist nämlich die Vorstellung entstanden, dass es einen unverhandelbaren und auch unzerstörbaren, nicht-materiellen Kern im Menschen gibt. Er wurde landläufig ‚Seele‘ genannt, er wird in der mystischen Tradition Seelenfunke, Scintilla Sinderesis, die Spitze des Geistes genannt. Etwas, das den Menschen befähigt, mit dem Göttlichen Kontakt aufzunehmen. Das ist die mystische Tradition, etwas, das dem Menschen sozusagen von innen heraus Würde gibt (Hugo de Balma 2017). All das wird in so einer transhumanistischen Denkweise ignoriert und verneint.

Und das ist der Grund, weswegen Sie mit Ihren homöopathischen Gedanken von der Geistartigkeit der Krankheit, von der Geistartigkeit der Arznei, in dieser Zeit nicht reüssieren, weil diese materialistische Denkweise die Standarddenkweise geworden ist. In meinem Transhumanismusbuch ist eine repräsentative Umfrage publiziert, die ich mit einem Kurzfragebogen gemacht habe. Man sieht dort: zwischen 20% und 48% der deutschen Bevölkerung stützt Aussagen, die man als Indikator einer transhumanistischen Sichtweise lesen kann.

Um dieser Sichtweise etwas entgegenzusetzen, müssen wir dieses Verständnis, dass im Menschen noch etwas anderes west als nur materielle Algorithmen, wieder in den Vordergrund stellen. Das heißt, wir müssen auch aktiv werden. Wir müssen dieser Meinung ein Gegenbild entgegensetzen und nicht einfach nur denken, ja, wenn wir genügend Daten zusammenschaufeln, dann reicht das. Das reicht eben nicht, denn es geht nicht um Daten, es geht um Ideologie.

Das muss man erst einmal verstanden haben. Und dann wäre mein Vorschlag, dieser Ideologie zweifach entgegenzutreten. Das eine wäre, sie erstens zu analysieren und als solche zu entlarven. Das ist politisch-geistige Arbeit: Durch Aufklärung, durch Analyse, durch Lehre und Information.

Das Zweite wäre, zurückzukehren zu unseren spirituellen Wurzeln. Spiritualität wäre für mich das Antidot, und dieses müsste man, finde ich, sowohl in persönlicher Praxis, aber auch in kultureller Praxis weitervermitteln und einfordern.

Private Praxis ist die, in der jeder und jede das im Leben integriert, aber auch kollektive Praxis, indem wir darauf hinweisen, dass diese materialistische Denkungsart unser Menschsein ruiniert, individuell, kulturell und politisch.

Spiritualität ist in meiner Lesart eine Haltung, die über die Belange des eigenen Ichs hinausgerichtet ist auf die transzendentale Wirklichkeit, das Heilige (Walach 2015 (orig. 2011), 2021). Diese Haltung macht sich in der Praxis des Lebens bemerkbar. Ein Aspekt ist zum Beispiel die tägliche Praxis einer spirituellen Übung. Das mag für jeden etwas anderes sein: oft wird es eine Meditations- oder Kontemplationsübung sein. Manchmal einfach eine stille Zeit, regelmäßig in den Tag eingebaut. Wenn man Spiritualität auf diese Weise in seinem Leben pflegt, dann merkt man relativ rasch, dass wir Teil einer größeren Wirklichkeit sind, verbunden mit allem, vor allem mit unseren Mitmenschen, aber auch mit der Natur und der Welt als ganzer, in der Gegenwart, aber auch durch die Zeit. Dann macht sich auch jener Seelenkern bemerkbar, von dem die mystische Tradition als einem Seelenorgan für die Verbindung mit Gott sprach. Das individuelle Resultat ist Frieden und Sinnerfahrung. Die kulturelle Konsequenz ist, dass wir wieder zu religiösen Menschen werden, nicht im billigen Sinne als Menschen, die formell einer Konfession angehören, sondern als Menschen, die sich aus der Tiefe ihres Seins befruchten lassen und daher wissen, dass wir eben mehr sind also biologische Automaten und dass, wenn wir schon eine Verbesserung des Menschen anstreben, diese eine Verbesserung von innen heraus sein wird. Die spirituelle Sicht wäre es wohl, dass wir unsere begrenzten moralischen und individuellen Möglichkeiten erweitern, indem wir liebesfähiger, freier und unbelasteter werden. Indem wir eben ganz Mensch werden und nicht unser vermeintliches Schwachsein technologisch verändern.

Wir Menschen können nicht ohne Religion leben. Wer das denkt, gibt sich einer Illusion hin. Wir können uns allenfalls aussuchen, in welcher Religion wir uns am ehesten so entwickeln, als Individuen und Gesellschaften, dass diese Entwicklung für einzelne und für alle am Zuträglichsten ist. Der Transhumanismus ist eine neumodische Religion, die allenfalls für einige Wenige zu Reichtum und Macht führen wird, aber für die Mehrheit in den Abgrund. Unsere herkömmliche Religion, das Christentum, hätte Vieles zu bieten, vor allem Vieles, was noch nicht einmal die Kirchen erkannt haben und das daher noch nicht im Horizont der meisten erkennbar ist. Vielleicht ist das der Grund, weswegen sich heute viele Leute anderen Lehren zuwenden. Wichtig scheint mir: Wir müssen uns dieser Religionsbedürftigkeit bewusst sein und dann eine informierte und idealerweise erfahrungsbasierte Wahl treffen.

Dann hätte auch unsere Kultur eine Chance und die implizite Dominanz der materialistischen Weltanschauung wäre gebrochen. Dann müsste sich auch die Homöopathie keine Sorgen mehr machen. Denn dann könnte man eine solche Therapiemethode problemlos in ein größeres, erweitertes Bild vom Menschen und der Welt integrieren.

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Webinar: Empfindung und Psychologie – 14./15.11.2026 mit Dr. Elisabeth Lazcano

Webinar des Homöopathieverband Schweiz mit Dr. Elisabeth LAZCANO

Tauchen Sie ein in ein praxisnahes und inspirierendes Seminar, das neue Wege in der homöopathischen Fallanalyse eröffnet!
Nach einer Einführung in die unten beschriebenen neuen Methoden erarbeiten wir gemeinsam – anhand von Fällen aus der Allgemeinmedizin und Psychiatrie – möglichst interaktiv die entsprechenden Arzneien. Dabei wird gezeigt, wie sich diese Ansätze ergänzend zur klassischen Repertorisation und zum Arzneimittelstudium auf spielerische Weise einbeziehen lassen.
Das erweiterte Verständnis und Wissen über verschiedene Herangehensweisen soll am Ende des Seminars dazu beitragen, die Verschreibung homöopathischer Arzneien sicherer zu gestalten und ein tieferes Verständnis für die entwicklungspsychologischen Grundthemen einzelner Mittel zu vermitteln.

ZUR ANMELDUNG

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Daten und Zeiten

Samstag, 14. November 202609:00 – 10:30 Uhr / 11:00 – 12:30 Uhr / 14:00  – 15:30  Uhr
Sonntag, 15. November 202609:00 – 10:30 Uhr / 11:00 – 12:30 Uhr / 14:00  – 15:30  Uhr


Seminarort
Online

Seminarkosten

CHF 250.00
HVS Mitglieder und Studierende mit Nachweis CHF 220.00



Die Dozentin: Dr. Elisabeth LAZCANO

  • Fachärztin für Psychiatrie, Ärztin für Allgemeinmedizin, Systemische Psychotherapeutin
  • Vizepräsidentin der ÖGHM, Co-Referatsleiterin des Referates für Integrative Medizin in der Wiener Ärztekammer

Nach Abschluss meiner Facharztausbildung an der psychiatrischen Landesklinik Gugging eröffnete ich 2006 als niedergelassene Wahlärztin meine Ordination in Wien. Seitdem wende ich mit großer Freude die Homöopathie in meiner täglichen Praxis bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an.

In den vergangenen 20 Jahren habe ich – auf dem Fundament der klassischen Homöopathie aufbauend – mit großer Neugier die neuen Ansätze von Jan Scholten sowie von Dr. Rajan Sankaran (Sensation-Methode) in meine Verschreibungen integriert. Zuletzt konnte ich meine Behandlungserfolge durch ein vertieftes Verständnis der entwicklungspsychologischen Konzepte von Michal Yakirs Pflanzensystematik und des indischen Psychiaters Dr. Mahesh Gandhi (Personal Evolution Model) sowie durch Weiterbildungen bei Dr. Annette Sneevliet weiter steigern.

Kostenlose Vortragsreihe Allgemeine Homöopathie

Teil-Eins

Auch im Wintersemester 2026/2027 setzt die ÖGVH ihre kostenfreie Online-Vortragsreihe „Allgemeine Homöopathie“ fort. Insgesamt vier Termine vermitteln Grundlagenwissen ebenso wie aktuelle wissenschaftliche und regulatorische Entwicklungen der veterinärmedizinischen Homöopathie. Den Auftakt machen am 7. Dezember 2026 Dr. Barbara Wieser und Mag. pharm. Dr. Astrid Obmann. Im Mittelpunkt stehen die Geschichte und die Prinzipien der Homöopathie sowie Zulassung, Registrierung und Herstellung homöopathischer Arzneimittel. Am 14. Dezember 2026 widmen sich Dr. Désirée Prokop und Dr. Petra Weiermayer der Anamnese, Repertorisation und Arzneimittelverschreibung. Weitere Themen sind Salutogenese, Pathogenese und Integrativmedizin. Am 11. Jänner 2027 stehen mit Mag. Claudia Frei-Freuis und Dr. Petra Weiermayer der Heilungsverlauf sowie Möglichkeiten und Grenzen der Homöopathie im Mittelpunkt. Anhand von Fallberichten werden unterschiedliche Verläufe und praktische Erfahrungen aus der tierärztlichen Praxis besprochen. Zum Abschluss der Reihe am 25. Jänner 2027 widmen sich Prof. Dr. Stephan Baumgartner und Dr. Petra Weiermayer der Grundlagenforschung und klinischen Forschung in der Homöopathie.

Wir bitten um zeitgerechte Anmeldung. Die Teilnahme an allen vier Online-Vorträgen ist kostenlos. Pro Termin werden 2 Bildungsstunden E-Learning sowie 2 FTA-Homöopathie-Stunden anerkannt. Die Vorträge finden jeweils online von 17:00 bis 19:00 Uhr statt.
Der Zugangslink wird nach Anmeldung zugesendet.
Anmeldung: fortbildung@oegvh.at

Teil 1: 7. Dezember 2026
Teil 2: 14. Dezember 2026
Teil 3: 11. Jänner 2027
Teil 4: 25. Jänner 2027

Neue Auswertung der Lungenkrebsstudie von Prof. Michael Frass: Positive Ergebnisse für Lebensqualität und Überlebenszeit unter homöopathischer Begleitbehandlung

Eine neue wissenschaftliche Veröffentlichung von Prof. Michael Frass und seinem Forschungsteam ist im renommierten, peer-reviewten Fachjournal Supportive Care in Cancer erschienen. Die Studie untersucht die Auswirkungen einer zusätzlichen homöopathischen Behandlung auf die Lebensqualität und das Überleben von PatientInnen mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) im Stadium IV.

Studiendatensatzes neu ausgewertet

Die Publikation greift die Daten einer früheren klinischen Studie auf, die 2020 in The Oncologist veröffentlicht und im November 2025 nach zwei Korrekturen durch die Zeitschrift zurückgezogen wurde. Eine Mehrheit der MitautorInnen widersprach dieser Entscheidung. Die umstrittene Studie von Prof. Michael Frass  wurde dank seinem unermüdlichen Einsatz nochmal analysiert und diesmal im renommierten, peer reviewten Journal Support Care Cancer publiziert. Ziel dieser Studie war es, frühere Studien zur Wirkung einer begleitenden homöopathischen Therapie auf die Lebensqualität (QoL) und das Überleben bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) zu replizieren. 

Die vorliegende Studie basiert auf demselben Studiendatensatz, wurde jedoch bewusst so konzipiert, dass die einzigartige Forschungsmethodik hervorgehoben wird: Konzeption und Vorbereitung durch einen leitenden Statistiker, die Dateneingabe, die Datenbereinigung und die unabhängige statistische Auswertung erfolgten in vier voneinander unabhängigen Schritten; die Berichterstattung folgt der CONSORT-Erklärung, und die Interpretation der Ergebnisse wurde konservativ neu formuliert. 

In dieser prospektiven, randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden, dreigliedrigen multizentrischen Phase-III-Studie mit vierfach überprüfter Datenanalyse wurde die potenziellen Auswirkungen einer ergänzenden homöopathischen Behandlung im Vergleich zu Placebo bei Patienten mit NSCLC im Stadium IV hinsichtlich der Lebensqualität untersucht. Achtundneunzig Patienten erhielten doppelblind entweder individuell abgestimmte homöopathische Arzneimittel (HMPs; n = 51) oder Placebo (n = 47). 52 Kontrollpatienten ohne homöopathische Behandlung wurden lediglich hinsichtlich ihrer Überlebensrate beobachtet. Die Inhaltsstoffe der verschiedenen HMPs stammten überwiegend aus pflanzlichen, mineralischen oder tierischen Quellen. Die Datenerfassung und die statistische Analyse unterlagen einem außergewöhnlichen, vierfach überprüften Datenanalyseprozess. 

 

Analyse der Daten

Der allgemeine Gesundheitszustand (Lebensqualität, QoL) war in der Homöopathie-Gruppe nach 9 Wochen und nach 18 Wochen höher als in der Placebo-Gruppe (p < 0,001). Mit Ausnahme der kognitiven Funktionen nach 9 Wochen sowie von Schmerzen, Durchfall und finanziellen Schwierigkeiten nach 9 Wochen fielen alle Funktions- und Symptomskalen des EORTC QLQ-C30 zugunsten der Homöopathie-Gruppe aus (p < 0,001 bei den multivariaten Vergleichen), wobei die Unterschiede zwischen den Gruppen den Schwellenwert von 10 Punkten überschritten, der allgemein als klinisch bedeutsam angesehen wird. Die mediane Überlebenszeit über den Beobachtungszeitraum von 730 Tagen betrug 435 Tage in der Homöopathie-Gruppe, 257 Tage in der Placebo-Gruppe (p = 0,010) und 228 Tage in der nicht randomisierten Kontrollgruppe (p < 0,001); die entsprechenden 2-Jahres-Überlebensraten betrugen 45,1 %, 23,4 % und 13,5 % (Homöopathie vs. Placebo p = 0,020; Homöopathie vs. Kontrollgruppe p < 0,001). Der Unterschied zwischen der Placebo-Gruppe und der nicht randomisierten Kontrollgruppe war statistisch nicht signifikant (p = 0,154)

 

Positive Ergebnisse bei Lebensqualität und Überlebenszeit

In dieser Studie war die begleitende Homöopathie in den meisten Funktions- und Symptombereichen mit einer besseren Lebensqualität verbunden, wobei die klinisch bedeutsamen Effektstärken mit den Ergebnissen einer früheren offenen Studie übereinstimmten. Die Überlebenszeit war in der Homöopathiegruppe im Vergleich sowohl zur Placebo- als auch zur Kontrollgruppe signifikant länger. Eine unabhängige Replikation, idealerweise im Rahmen aktueller immunonkologischer Behandlungsschemata, ist erforderlich.

Studie lesen: HIER

Frass M, Lechleitner P, Gründling C, Gaertner K, Duscheck C, Muchitsch I, Manchanda RK, Burghuber OC. Improved quality of life and prolonged survival with add-on homeopathic treatment in patients with non-small cell lung cancer: a prospective, randomized, placebo-controlled, double-blind, three-arm, multicenter study. Support Care Cancer. 2026 Sep 10;34(10):952. doi: 10.1007/s00520-026-11154-3. PMID: 42720799.

Homöopathie bei akuten Atemwegsinfektionen: Eine Real-World-Studie mit über 600.000 PatientInnen zeigt das Potential der Homöopathie auf

Eine deutsche Kohortenstudie verglich über einen Zeitraum von 12 Monaten homöopathische und konventionelle Arzneimittel bei akuten Infektionen der oberen Atemwege (aURTI). Bei der Auswertung von über 610.000 Patienten zeigten die Ergebnisse, dass die Rezidivraten und der Antibiotikaeinsatz zwischen den Gruppen zumindest vergleichbar waren, wobei einige Ergebnisse für die Homöopathie sprachen.

Trotz methodischer Einschränkungen hebt die Studie die Homöopathie als wertvolle therapeutische Option bei der Behandlung unkomplizierter aURTI hervor.

Als Conclusio schreiben die Autoren: „The present study contributes to comparative, real-world evidence on the use of homeopathic and conventional medicines in the treatment of children, adolescents, and adults with aURTI. It is a step toward closing the RWD knowledge gap on homeopathy. Despite some inherent methodological limitations of the database used, the results of this study of more than 610,000 patients suggest that homeopathic medicines are a valuable therapeutic option for the treatment of aURTI in primary care. Their good tolerability as reported in the literature and the fact that they can help to reduce the unnecessary use of antibiotics in patients with aURTI should also be considered within the wider context of healthcare decision-making. Further research utilizing different study designs and databases is needed to expand the real-world evidence for homeopathy.“

 

Ihre gute Verträglichkeit und  der reduzierte Einsatz von Antibiotika sollten daher bei Entscheidungsfindung im Gesundheitswesen berücksichtigt werden. 

 

Studie nachlesen: HIER 

Banik N, De Jaegere S, Niederle S, Reineke T. Homeopathic and Conventional Treatments for Acute Upper Respiratory Tract Infections: Real-World Cohort Study on Recurrence and Antibiotic Prescriptions. Complement Med Res. 2025;32(1):13-25. doi: 10.1159/000543183. Epub 2025 Jan 8. PMID: 39778535; PMCID: PMC11892463.