Veröffentlicht am: 7. August 2025

Themen der Ideenwerkstatt 4./5.9.2025 / Susanne Diez

* Erweiterung der Homöopathie-Ausbildung in den nicht-äztlichen Bereich

* Definition der Homöopathie – Kerndefinition der Homöopathie

* Wie wollen wir uns als ÖGHM in allen heutigen Umbrüchen definieren?

 

 

Programmpunkt 1

Erweiterung der Homöopathie-Ausbildung in den nicht-äztlichen Bereich:

 

  • In allen Ländern, wo die Homöopathie auf Ärzte beschränkt ist, ist sie derzeit im Niedergang … in manchen Ländern gibt es grad mal eine Handvoll Ärzt*innen, die auch (ernst zu nehmende und gut ausgebildete!) Homöopath*innen sind

 

  • In Ländern, wo auch Nicht-Ärztinnen Homöopathie ausüben, gedeiht die Homöopathie (vor allem in Osteuropa)

 

  • Nicht-Ärzte arbeiten unter den verschiedensten Deckbezeichnungen längst schon mit „Homöopathie“. Wir haben keinerlei Kontrolle darüber, von welcher Qualität diese Arbeit ist, wie Homöopathie verstanden und ausgeübt wird. Das ist kein wirklich erstrebenswerter Zustand. Es gibt auch Leute, die eine gute Homöopathieausbildung und z.B Heilpraktikerausbildung in Deutschland gemacht haben und jetzt nicht in Österreich arbeiten können – abwandern, als „Energetiker“ arbeiten, oder gar nicht mehr arbeiten …

 

  • Es sind keine Probleme bekannt, die durch GUT AUSGEBILDETE (die Ausbildung schließt Grenzen und Indikationen, notwendige Zusammenarbeit mit Ärzt*innen mit ein!) nicht-ärztliche Homöopath*innen entstehen

 

  • In der Psychotherapie gibt es ähnliche Modelle der Zusammenarbeit seit langer Zeit: nichtärztliche Psychotherapeut*innen müssen mit Ärzt*innen zusammenarbeiten … das ist doch ein bereits lange praktizierter Weg: ZUSAMMENARBEIT … Physikalist*innen, Osteopath*innen, Kranken“schwestern“  usw. praktizieren das selbstverständlich seit immer

 

  • Es gibt viele Möglichkeiten, eine gute Zusammenarbeit mit ÄrztInnen zu fordern, festzulegen und in das Konzept einzuschließen. Dazu gibt es auch zahlreiche Vorbilder!

 

  • Es wird eine Basisausbildung in medizinischen Kenntnissen notwendig sein für nicht-ärztliche HomöopathInnen. Dazu müssen wir Möglichkeiten und Zusammenarbeit mit anderen Gesellschaften ausloten.

 

  • Wie sieht es aus mit all den homöopathischen Nichtärzt*innen, deren Seminare wir besuchen und die die Behandlung schwer kranker Patient*innen nicht nur berichten sondern gut dokumentiert haben … sind das Scharlatane??? Sind die verantwortungslos???  (da gab es ein „Argument“ der Skeptiker: nicht nach einer „wissenschaftlichen Methode“ zu heilen, wäre unethisch … ich denke, es ist absurd genug …)

 

  • Wie viele Ärzt*innen sind schlechte Ärzt*innen … da hat nicht immer (oder sogar selten) mit einer Top-Ausbildung in Medizin zu tun!

 

  • Die Ärztekammern betreiben ein doppeltes Spiel: Diplome nur an die Zugehörigkeit zur Ärzteschaft zu binden – gleichzeitig allen Ärzt*innen und Medizinstudent*innen schon an der Uni klar zu machen, dass Homöopathie Unsinn, „unwissenschaftlich“ usw. ist.  – eine Superstrategie – als Feindin der Homöopathie würde ich es jederzeit so machen!

 

  • Die Ärztekammer hätte also die Wahl: Homöopathie zu fördern – dann hätten wir wieder genug Ärzte*innen, die auch gute Homöopath*innen sein könnten  - oder weiter so tun wie bisher – dann gibt es eben andere Optionen

 

  • Es geht darum, nicht nur ein bisschen „bewährte Indikationen“ zu machen, die jede und jeder recht schnell erlernen kann (ist gut!) – aber mit Sicherheit nicht das Potenzial der Homöopathie ausschöpft, eher die Homöopathie in Verruf bringt, wenn bewährte Indikationen – zu denen ich absolut stehe in der Akutbehandlung! – als die ganze Homöopathie verstanden werden … hier ist es nötig, genau zu differenzieren, was die Möglichkeiten der Homöopathie sind! – Programmpunkt 2 der Ideenwerkstatt

 

  • Es ist notwendig, sich klar zu machen, wohin die konventionelle Mainstream- Medizin geht – das schmerzt, aber das Hinschauen ist der erste Schritt zur Heilung  … der derzeitige Trend hat mit Förderung von Gesundheit und auch mit Prävention wenig zu tun(es wird öffentlich viel davon geredet, aber immer mit denselben Schlagwörtern) … aber die Möglichkeiten der Medizin im jeweils indizierten Bereich sind anzuerkennen – da wäre gute und gedeihliche Zusammenarbeit notwendig (derzeit scheint  das leider sehr schwierig bis unmöglich zu sein)

 

  • Wir sind in Zeiten des Umbruchs – wir können das ignorieren und weiter tun wie bisher (eine sehr schlechte Option) – oder wir begeben uns auf den vermutlich mühevollen aber not-wenigen Weg der Veränderung. Ich habe meine Präsidentschaft bewusst übernommen, um nicht einfach so weiterzutun wie bisher und um den Erfordernissen der Zeit mit konstruktiven Möglichkeiten zu begegnen.

 

  • Es ist notwendig, Tabus anzugehen (das ist immer heilsam!) – dazu gehört die (nicht nur in Österreich) wohlgehütete „ärztliche Homöopathie“. Es ist schön zu sehen, dass diese Diskussion auch in anderen Ländern geführt wird. Das stärkt den Rücken – oder wollen wir eine konservative Festung bleiben?

 

  • Stellen wir uns mal die Frage quasi als Anwalt des Teufels: auch wenn wir das Diplom der ÄK verlieren sollten, was wir natürlich keineswegs anstreben (wir können als ÖGHM ja auch jederzeit ein Diplom über eine absolvierte Ausbildung in Homöopathie ausstellen) - was ist wirklich der Effekt? Was verlieren wir damit wirklich? (einen Zettel, den man in der Ordi aufhängen kann?)   - wie viele Patient*innen kommen WEGEN des Diploms der ÄK? … wie viel hat das mit „Standesbewusstsein – in Österreich sagt man auch „Standesdünkel“ zu tun …?

Manchmal muss man auch heilige Kühe schlachten – wenn auch unter Protest … und vieles, was einmal gut war und vielleicht sogar lebensrettend war, wird in einer anderen Situation zu einem Hindernis (das kennen wir aus der Traumatherapie sehr gut!)

 

  • Es gibt noch viele andere Argumente …   -  ja, pro und kontra!

 

  • Manches wird weht tun, wenn wir uns entwickeln wollen (und nicht nur jammern über den status quo) – das ist jedoch bei Heilungsvorgängen gerade uns nichts Unbekanntes …
  • Letztendlich: was sind die nächsten Schritte zur Verwirklichung der Erweiterung?
  • Zusammenarbeit mit wem? Wer kann uns helfen … rechtliche Situation … usw.
  • Erarbeitung eines Ausbildungsplanes (auch im Rahmen einer Reform unserer gesamtem Ausbildung, die derzeit in Arbeit ist)

 

Programmpunkt 2

Definition der Homöopathie – Kerndefinition der Homöopathie

 

Mittlerweile gibt es viele Zugänge zur Arzneifindung und viele Wege der Anamneseführung, die wir alle schätzen. HomöopathInnen betreiben eine individuelle Heilkunst, sind selber Individualisten mit individueller Konstitution – und haben natürlich individuelle, sehr verschiedene und einzigartige PatientInnen.

Hahnemann selbst hat die Homöopathie bis an sein Lebensende weiterentwickelt – ich bin sicher, er wäre auch heutzutage am Weiterforschen und Weiterentwickeln.

ABER: es gibt ein klaren Kern der Definition der Homöopathie, der nicht verloren gehen darf: Similia similibus curentur.

Wie können wir gleichzeitig offen sein und klare Grenzen halten?

In der Therapie chronischer Krankheiten UND in der Therapie akuter Zustände?

 

Dazu gehört auch die Arbeit mit Laien / bzw. unseren PatientInnen: Selbstmedikation Ja (prinzipiell ist Heilung Freiheit, aber das bedeutet nicht, willkürlich sich alle Freiheiten zu nehmen) – aber wie weit? Welches Verständnis der Homöopathie müssen wir ihnen nahebringen – und wie?

 

Es gibt mittlerweile zahlreiche Online-Plattformen, die Homöopathie sehr gut (Mathias Berner Akademie, „Friends“, …)  oder weniger gut an die PatientInnen heranbringen. Wichtige Selbstermächtigung und missverstandene Kochbuch-Esoterik mischen sich da bunt. Das führt 1. Zu falschen Vorstellungen unserer PatientInnen über Homöopathie (kann ich in meiner Praxis gut beobachten) und auch zu einer gewissen „Pseudoausbildung“ in Homöopathie, die vielleicht sogar mehr schadet als nützt (s. Programmpunkt 1)

 

Anerkennung wohlüberlegter Grenzen (was ist Homöopathie und was nicht) als Grundvoraussetzung für Freiheit, um mit verschiedenen Homöopathie - Zugängen kreativ arbeiten zu können.

Das wird auch wichtig sein für Fortbildungen, die wir aktiv fördern - und Veranstaltungen zu Randbereichen, die wir z.B. als Gastveranstaltungen in der ÖGHM lediglich zulassen können.

 

 

Programmpunkt 3

Wie wollen wir uns als ÖGHM in allen heutigen Umbrüchen definieren?

Was sind unsere Aufgaben?
Wie können wir uns verjüngen – und gleichzeitig weiser, gelassener, weitsichtiger … werden?

 

Was können wir tun, um weiterhin und immer mehr Freude an der Homöopathie und am homöopathischen Arbeiten zu haben …?

Was brauchen wir selbst, um Freude, Miteinander, Innovationskraft, Selbstbewusstsein … zu erhalten und zu mehren? …

 

Wie sehr lassen wir uns von Angriffen „von außen“ beeinflussen?

Wie weit sind diese Angriffe Projektionen unseres eigenen Schattens?

 

 

 

Ideen und Anregungen zu allen Themen sind ausdrücklich erwünscht!

 

Susanne Diez

sekretariat@homoeopathie.at
susanne.diez@chello.at