Ideenwerkstatt Homöopathie am 4. Und 5.9. in Eisenstadt - Beitrag von Felix Badelt
Arzt f. Allgemeinmedizin, ÖÄK Diplome für Akupunktur, Homöopathie und Psychosomatische Medizin, dzt. Wohnsitzarzt, Kammermandatar der Liste Integrative Medizin seit 2022, und leitender Referent des Referates für komplementäre und integrative Medizin in der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien
Weitere Infos über meine bisherige berufliche Tätigkeit unter www.ganzheitsmedizin-badelt.at
1.Öffnung der Homöopathie -Ausbildung. gegenüber anderen medizinischen Berufsgruppen und Laien
Das ist aus meiner Sicht prinzipiell erstrebenswert – sofern homöopathische Arzneien abgestimmt und im Einverständnis mit der(m) behandelnden konventionellen Arzt*In werden
Das gilt sowohl für homöopathische Selbstmedikationen medizinischer Laien als auch für den gehobenen Pflegedienst, für Hebammen, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten und Apotheker*Innen – auch um zu verhindern, dass wirksame und nebenwirkungsarme konventionelle medizinische bzw. pflegerische Maßnahmen nicht verabsäumt werden.
2. Möglichkeiten der Förderung ärztlicher Homöopathie in unserer Zeit durch praxisgerechte, einfache und symptomorientierte homöopathische Praxisbehelfe und durch Veranschaulichung der individuellen Wirksamkeit homöopathischer Arzneien mittels EAV unterstützter Homöopathie
Fanatismus und Intoleranz sind Übel, welche nicht nur einzelne konventionelle Ärzte sondern leider auch Homöopathen betreffen können (etwa übertriebene Impfskepsis in früheren Zeiten). Sie erschweren gegenseitige zeitgemäße Verständigung. Jede Seite spricht dann in einer anderen Sprache. Konventionelle medizinische Wissenschaft beruht auf quantitativ messbaren, erfassbaren Befunden, entsprechenden Material-KH-Ursachen und entsprechende Erklärungen von Wirkungsmechanismen (Wirkursachen) während darüber hinausgehende komplexe individuelle Patientenerfahrungen (Formursachen bzw. auch homöopathische Arzneimittelbilder) wegen mangelhafter Reproduzierbarkeit und Erklärbarkeit verdrängt, vernachlässigt oder in Heilungsfällen als Placebo oder Zufälle „abgewertet“ werden.
Andererseits kommt das Simile Prinzip auch in der konventionellen Medizin z.B. bei konventionellen Impfungen und bei Hyposensibilisierungstherapien durchaus zur Anwendung, allerdings nur, weil dabei mit spezifischen und quantitativ messbaren Erregern bzw. Allergenen gearbeitet wird.
Auch das Schlüssel – Schloss Prinzip (als Variation des Simile Prinzips) ist grundsätzlich für beide Seiten plausibel – pharmakologisch z.B. zur Erklärung von Transmitterfunktionen und Transmitterblockaden. Homöopathen können andererseits eine komplexe Patientensymptomatik mit einem komplexen Schloss vergleichen, dessen krankmachenden Auswirkungen im Körper über ultraschwache, aber qualitativ gut passende Information, einer homöopathischen Schlüsselarznei, heilsam eingesetzt werden kann, wenn das Schloss (das Beschwerdebild) zum Schlüssel (der Arznei) passt.
Unverständlicherweise ignorierten und ignorieren aber noch heute die meisten Homöopathen jahrzehntelang bekannte Phänomene der Elektroakupunktur nach Voll (EAV) , über welche sich bei entsprechenden Medikamententests die besondere, oft breite physikalische Wirksamkeit qualitativ passender homöopathischer Einzel (und mancher Komplexmittel) und von Nosoden ( eigentlich Isopathie) bei Ankoppelung an das Messsystem für Arzt und Patienten veranschaulichen lässt – selbst ohne Einsatz quantitativ messbarer Dosen.
Bestehende Abwehrreflexe von Homöopathen gegenüber einer Zuhilfenahme von EAV bzw. Hindernisse könnten bedingt sein durch:
Unwissenheit bzw. Unkenntnis des Systems der Grundregulation nach Pischnger/Heine (dieses ist auch kein aktueller Lerninhalt auf medizinischen Universitäten) ,
Vorbehalte gegenüber EAV Hautwiderstandsmessungen wegen eingeschränkter Reproduzierbarkeit, ein Mangel an geeigneten Messgeräten, kein Kostenersatz des anfänglich erhöhten Zeitaufwandes bzw. der Leistung durch Versicherungen,
der erhöhte Lernaufwand (Grundlagen der Akupunktur, Lokalisationen von Messpunkten), Vorbehalte gegenüber R. Voll, der vor allem Nosoden und Komplexmittel ausgetestet hat
emotionaler Widerstand von Homöopathen gegenüber Messungen gepaart mit Alleinvertretungsansprüchen geisteswissenschaftlicher homöopathischer Zugänge und alteingesessener homöopathischer Hilfsmittel (z.B. Repertorien). Orthodoxen Homöopath*Innen könnte die Zunahme theoretischer geistiger Konzepte von Mittel-Gliederungen (Periodensystem, Pflanzenfamilien, Tierfamilien) den Blick auf praktische Überprüfungsmöglichkeiten einsetzbarer Arzneien am Patienten verstellen.
Auch könnte es verunsichern, wenn ein anscheinend gut gewähltes homöopathisches Mittel bei Ankoppelung physikalisch im System der Grundregulation nichts verändern würde, wenn also Theorie und Praxis auseinander klaffen könnten (pikanterweise wird unter EAV ja in Österreich zunächst die Musikgruppe „Erste Allgemeine Verunsicherung“ assoziiert!).
Andererseits eröffnet aber gerade eine EAV unterstütze Homöopathie die Chance, in Zweifelsfällen unterschiedliche in Frage kommende homöopathische Einzelmittel aber auch verschiedene Behandlungsmethoden (konventionelle Medikamente, Akupunktur, Entspannungstherapien etc. bezüglich ihrer regulationsverbessernden Wirksamkeit messbar zu vergleichen.
In Hinblick auf eine Reihe von Fehlermöglichkeiten bei der EAV ist aber auch durchaus Vorsicht am Platz, schon weil die richtige Messtechnik einige Übung erfordert und weil die Messwerte die momentane Befindlichkeit eines Probanden widerspiegeln inclusive der jeweiligen psychosomatischen Befindlichkeit, was tatsächlich die Reproduzierbarkeit einschränken kann.
Deshalb zur Klarstellung: EAV kann zwar die homöopathische Mittelauswahl meiner Erfahrung gemäß wirkungsvoll unterstützen, aber ein gewissenhaftes Homöopathie-Studium keinesfalls ersetzen! Je mehr verschiedene Mittel und je länger verschiedene Mittel an wenigen Messpunkten getestet werden, desto unsicherer und damit wertloser werden die Ergebnisse - schon wegen möglicher Ermüdungserscheinungen auf beiden Seiten. Die Angst mancher Homöopathen, EAV könnte das Homöopathie-Studium ersetzen, ist völlig unbegründet.
3. Homöopathie und Ärztekammer: Meine persönliche Strategie im Dienst der Homöopathie als Leiter des Referates für komplementäre und integrative Medizin in Wien
Trotz neuerlicher Festigung des ÖÄK Diploms Homöopathie durch den Vorstand der ÖÄK im März 2025 - wahrscheinlich auf Grund gewissenhafter Beratung der Länderpräsidenten durch die komplementärmedizinischen Bundesländerreferenten (dabei war ich persönlich für Wien zuständig) - wird Homöopathie nach wie vor in der breiten konventionellen Ärzteschaft entgegen aller vorliegender Studienergebnisse primär als Placebo-Therapie angesehen. Weiterhin wird H. von einer pharmakologisch beeinflussten Lobby wahrscheinlich primär aus marktwirtschaftlichen Gründen heftig bekämpft. Studien, welche die Wirksamkeit von Homöopathie über Placebo hinaus belegen, werden weiterhin verleugnet oder abgewertet, auch weil Wirksamkeit- gekoppelt mit unklaren Wirkungsmechanismen - vorschnell an Spontanheilungen, Zufall oder Placebo denken lassen. Ärzte haben das Staunen heute weitgehend verlernt.
Die erfolgreiche offizielle Verteidigung auch der Homöopathie durch ein eigenes ÖÄK -Diplom in Österreich ist ein europäisches Unikum, dessen Wert trotz aller Intrigen gegen Homöopathie nicht hoch genug eingeschätzt werden kann und weiterhin verteidigt werden sollte. Keinesfalls sollte das Diplom aufs Spiel gesetzt werden bzw. sein Wert in Frage gestellt werden – schon gar nicht von unserer Präsidentin! Es entspricht auch meiner persönlichen Überzeugung, und nicht einer perfiden Bekämpfungs-Strategie, dass Homöopathie primär in ärztlicher Hand bleiben sollte – gerade wegen ihrer mitunter tief greifenden Wirkung im Einsatz bei schweren Erkrankungen.
Meine Ausarbeitung und Veröffentlichung symptomorientierter homöopathischer Praxisbehelfe (weitgehend in Rücksprache mit homöopathischen Expert*innen bzw. entsprechender Inhalten offizieller homöopathischer Fortbildungsveranstaltungen ) im Rahmen meiner Referatstätigkeit soll aufgeschlossenen Ärzten den Einstieg in die Homöopathie erleichtern bzw. bei chronischen Fällen entsprechende Zuweisungen der niedergelassenen Ärzteschaft an ausgebildete Homöopath*Innen fördern. Einfache Praxisbehelfe und niederschwellige homöopathische Veranstaltungen sind bei entsprechender Begleitinformation keine „Schmalspurhomöopathie“ sondern ein erster Schritt zum intensiveren Arzneimittelstudium. Das ist jedenfalls besser als gar nichts und hilfreicher als praxisfremde Abwertungen seitens einzelner „homöopathischer Expertinnen“, deren exklusive Gedankengänge offenbar in den letzten Jahrzehnten für viele Ärzte zunehmend unverständlich und unerreichbar geworden sind. Der Weg zur Homöopathie geht anfänglich (sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten) über die (bewährten) Indikationen – die Erfolge Dorcsis in der Ärzteschaft bewiesen es.
Unabhängig von den polemischen und ungerechtfertigten Homöopathie – Anfeindungen mancher „Skeptiker“ sollten sich Vorstände homöopathischer Gesellschaften daher mehr Gedanken darüber machen, ob ihre Ansprüche nicht viel zu hoch gesteckt bzw. abgehoben von der Realität einer ärztlichen Praxis – insbesondere einer Kassenpraxis sind. Persönlich bin ich der Auffassung, dass sich schon die Befassung mit 50 (bis 100) gängigen homöopathischen Arzneimittelbildern in der Praxis bewährt und das Staunen lehren kann. Kenntnisse darüber hinaus und abgehobene geistige Theorien sind für die meisten Ärzte bei all den anderen Anforderungen unserer konventionellen Basisausbildung vielfach unzumutbar und schrecken eher ab. Dann wird mit Homöopathie gar nicht erst angefangen.
Überdies gibt es, abgesehen von Ausbildungswegen über den Gesellschaften, inzwischen durchaus praxisgerechte virtuelle Weiterbildungsmöglichkeiten über Homöopathie, was die Reduktion diplomierter homöopathischer Ärzt*innen ebenfalls erklären könnte. Auf alle Fälle ist es wichtig, die Ärzteschaft auf Zuweisungsmöglichkeiten zu homöopathischen Expert*Innen immer wieder hinzuweisen, auch in den Medien und über die Ärztekammer. Eine ständig zunehmende Zahl an Wahlärzten kann sich noch eher Zeit frei schaufeln, was später der Zukunft der Homöopathie in Österreich dienlich sein könnte.
Unser gemeinsames Ziel ist die Förderung von Homöopathie in der ärztlichen Praxis und später auch in stationären Einrichtungen. Dabei können verschiedene Wege eingeschlagen werden. Muten wir doch unserer einseitig ausgebildeten Ärzteschaft anfänglich nicht zu viel auf einmal zu. Auch die meisten homöopathischen Experten von heute haben klein und indikations- und symptomorientiert begonnen. Umso besser, wenn die physikalische Wirksamkeit einer homöopathischen Arznei zusätzlich noch mittels EAV veranschaulicht werden kann! Ich werde mir meine diesbezüglich positiven Erfahrungen von Außenstehenden jedenfalls nicht klein reden lassen.
Das Thema EAV unterstützte Regulationsmedizin stößt in der Ärztekammer immerhin auf ein gewisses Interesse, auch weil es messtechnisch-orientierten Arzt*Innen ideologisch entgegenkommt. Zunächst geht es dabei um diagnostische Hinweise für eine konventionelle ärztliche Zuhörerschaft: z.B. um Messpunkte, die auf Entzündungsherde, Allergien, Unverträglichkeiten, chronisch degenerative Erkrankungen oder Karzinombereitschaft hinweisen. Auswirkungen neu hinzugefügter konventioneller Medikamente auf zuvor erhobene Messwerte machen zumindest neugierig. Solche EAV Ankoppelungsphänomene werden naturgemäß zunächst staunend bis misstrauisch betrachtet oder als zufällig eingestuft - außer sie sind wiederholbar und funktionieren im Krankheitsfall mit bewährten Psychopharmaka, Antibiotika oder Analgetika. Offenbar können primär auf biochemischer Basis entwickelte, wirksame Medikamente auch schwache physikalische Einflüsse im System der Grundregulation ausüben, was vorsichtige Rückschlüsse auf ihre voraussichtliche individuelle Wirksamkeit und Verträglich erlauben könnte – wiewohl solche Phänomene endlich systematisch untersucht und überprüft werden müssten. Das erfordert allerdings eine ausreichende Zahl messtechnisch geschulter Untersucher*Innen und ausreichend verfügbare, nicht zu teure Messgeräte.
Jedenfalls würde sich dann ein vielversprechendes breites diagnostisches und therapeutisches Forschungsfeld für ganze Ärztegenerationen eröffnen, auch für Homöopath*Innen
4. Projekt: Gastvortrag zum Thema EAV unterstützte Homöopathie für ÖGHM Mitglieder
Ermuntert durch die Aufgeschlossenheit einiger HomöopathInnen beim letzten Jour fixe habe ich vor, ÖGHM Mitgliedern eine kostenlose Einführung in EAV unterstütze Homöopathie anzubieten mit Erläuterung einiger wichtiger Messpunkte an Händen und Füßen, Besprechung von häufigen Fehlermöglichkeiten und Demonstration der Messtechnik. Später könnte ich auf Wunsch interessierte Kolleg*Innen in die Messtechnik einschulen, damit sie ihre Kenntnisse und Erfahrungen in Kursen auch homöopathisch geschulten Ärzt*Innen weitergeben können.
Wie gesagt, es ist nur ein Angebot für einen physikalisch ergänzten Zugangs zur Homöopathie. Er hat mich und manche meiner Patienten überzeugt - wiewohl EAV auch fehleranfällig und kein Allheilmittel ist. Jedenfalls kann dieser Zugang unsere ärztliche und homöopathische Kreativität fördern und verdient weitere Überprüfung und Erforschung.